18. Juli 2026
Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne …
Dieser Satz geistert nun schon seit Monaten durch meinen Kopf.
Im Juni habe ich meine Praxis eröffnet. Ich möchte hier einen Ort schaffen, der Ruhe in das Leben der Menschen bringt, Sicherheit und Klarheit. Einen Ort, der aber auch für mich eine Station, ein sicherer Hafen sein soll – in meinem oft vielschichtigen Leben. Als Berufsmusikerin reise ich viel und stehe immer wieder vor neuen Herausforderungen. Mit Anfang fünfzig verspüre ich nun das Bedürfnis, mehr Stabilität in mein Leben zu bringen.
Und nun ist er da, dieser Anfang, dem ein Zauber innewohnt.
Ja, auf eine nicht weiter erklärbare Weise stimmt es: Alles fühlt sich frisch, unbefleckt und neu an. Ich fühle mich wie eine Pionierin, die völlig unbekanntes Terrain betritt – neugierig und aufgeregt, was sich wohl hinter dem nächsten Busch zeigen wird.
„Du bist aber mutig“ war der häufigste Kommentar, den ich hörte, als ich von meinen Plänen mit der Praxis erzählte. Nicht immer anerkennend – nein, oft eher mahnend. Im Hintergrund schwangen Begriffe wie Fahrlässigkeit, Selbstüberschätzung oder Traumtänzertum mit.
Ja, Mut habe ich gebraucht. Und eine gehörige Portion Selbstvertrauen sowie eine gewisse Ignoranz gegenüber den Zweiflern, Skeptikern und Miesepetern. Denn so mancher geriet beinahe in Panik, wenn er nur von meinem Vorhaben hörte: „Wie willst du die Menschen erreichen? Wer soll das überhaupt bezahlen? Wer kann sich deine Dienste denn leisten?“
Mir ist bewusst, dass diese Skepsis oftmals etwas ist, das diese Menschen in sich selbst tragen. Vielleicht ist sie ein Schutz. Durch mein Handeln werden sie möglicherweise daran erinnert, dass man die Dinge selbst in die Hand nehmen muss, um Veränderungen herbeizuführen. Man muss sich aktiv beteiligen, sich für seine Sache einsetzen – kurz: sein Leben selbst in die Hand nehmen und gestalten.
Und ja, das alles braucht Mut. Und noch viel mehr.
Ohne Unterstützung hätte vermutlich auch ich diesen Schritt nicht gewagt. Wie dankbar bin ich für diejenigen, die mir den Rücken gestärkt und mich ein Stück weit getragen haben, wenn meine Beine nicht mehr konnten. Für jene, die mich gebremst haben, wenn ich selbst nicht mehr stoppen und keine Pause mehr machen konnte. Und für die Menschen, die meinen Plänen, Sorgen und Zweifeln zugehört haben – mit Rat und Tat oder einfach nur schweigend.
Und der Zauber?
So, wie Hermann Hesse es beschreibt, habe auch ich ihn erlebt. Der Ausspruch stammt aus seinem Gedicht „Stufen“. Es handelt vom Werden und Vergehen, vom ewigen Kreislauf der Dinge. Man kann die Zeit nicht anhalten – alles fließt. Und dieser Zauber soll uns dabei helfen, das Vergangene gehen zu lassen und Neues in unser Leben zu bringen.
Denn in diesem Gedicht heißt es weiter:
„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.“
Und:
„Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.“
In diesem Sinne gehe ich nun meinen neuen Weg. Dabei halte ich es mit einem Gedanken, der häufig Franz Kafka zugeschrieben wird:
„Wege entstehen, indem man sie geht.“
Und ich lasse mich überraschen, wohin die Reise führen wird.
